Altersverteilung und Wohnstruktur


Der „Alterstrend“ spiegelt sich auch in der Chemnitzer Bevölkerung wieder, bei der den größten prozentualen Anteil die Alterstruktur > 50 Jahre zu verzeichnen hat. Die jüngeren Altersgruppen (bis 20 Jahre) sind hier nur gering vertreten. Die Altersgruppe ab 21 bis 39 zeigt einen größeren Prozentsatz, der sich größtenteils aus den Studenten der Stadt Chemnitz zusammensetzt.

So zählt die Stadt, auch weil es eine Studentenstadt ist, einen Überhang mit 50,6 % an 1-Personen Haushalten. Zukünftig soll diese Lebensweise prozentual weiterhin konstant bleiben, bzw. eine leichte Steigerung verzeichnen. Direkt dahinter befinden sich aktuell mit 35,2% die 2-Personen Haushalte, bei denen prognostisch mit geringem Rückgang zu rechnen ist.

Statistisch betrachtet zählen zu den 1-Personen Haushalten, Personen aller Alterklassen, von einkommensschwachen Auszubildenden bis zu gutverdienenden Beruftätigen. Auch Ledige, Geschiedene und Singles werden hier eingestuft.

Aufgrund des hohen Pro-Kopf Einkommens in Chemnitz bevorzugen Berufstätige 2-3 Zimmerwohnungen mit gehobener Ausstattung, die weithin bis in den Luxusbereich reicht. Auswertungen zufolge suchen diese hauptsächlich Wohnmöglichkeiten in den inneren Bezirken der Großstädte, also in den städtischen 1A-Lagen.

In Folge dessen werden, wegen des großen Marktangebots, veraltete oder nicht renovierte Wohnungen, sowohl in guten als auch in schlechten Stadtlagen, auf dem Wohnungsmarkt von den Wohnungssuchenden mit hohem Einkommen vernachlässigt. Diese sind bereit für eine Wohnung mit luxuriöser Ausstattung mehr Geld zu zahlen.

Der Gegenpart dazu sind die Studenten. Die Technische Universität zählt jährlich positive Studentenzuzüge aus anderen Städten, weswegen die Nachfrage nach zeitlich begrenztem Wohnen immer beständig bleibt. Die Vielzahl an Studenten sucht dagegen während ihres Studiums zentrums- und Universitätsnahe kleine, geräumige und kostengünstige Wohnungen. Hier sind die Anforderungen an die Ausstattung gering. Wohnungen mit einfacher Ausstattung, vorzugsweise mit Einbauküche, aber in guter Lage reichen völlig aus.

So wird allein für die 1-Personen Haushalte ein weites Angebotsspektrum an Wohnungen gebraucht.

Bei den 2 oder mehr Personenhaushalte unterscheidet man in drei Kategorien:

  1. Paarhaushalte ohne Kinder
  2. Paarhaushalte mit Kindern
  3. und Haushalte älterer Menschen.

Auch hier liegen die Ansprüche der einzelnen Haushaltstypen weit auseinander.

Während Paare ohne Kinder zur Innenstadtlage und großen Wohnungen mit besserer Ausstattung und Arbeitszimmer neigen, wollen Familien mit Kindern mehr in die ländliche Gegend mit der Frage, ob eine Wohnung oder ein Haus vorteilhafter wäre. Kinder aus der gewohnten Umgebung raus-zureißen ist einer der vielen Gründe, warum sich diese Haushaltsgruppe Immobilien sucht, in denen sie für mehrere Jahre bleibt. Auch die Ansprüche an die lokale Infrastruktur der Wohnlage sind sehr hoch. So wird die Nähe zu Kinderbetreuungen, Schulen und Geschäften für den täglichen Bedarf geschätzt.

Kinderlose Paare dagegen sind flexibler und bleiben für einen begrenzten Zeitraum in ihren Wohnungen und schauen sich künftig nach anderen Möglichkeiten um, sobald eine Familienplanung oder Veränderung in Frage kommt. Auch sie stehen dann vor der Entscheidung welche Immobilie für ihren Wohnstil zu bevorzugen wäre.

Bei der Chemnitzer Altersstrukturverteilung konnte man klar erkennen, dass die Haushalte älterer Menschen einen großen Anteil der innerstädtischen Bevölkerung bilden. Diese Gruppe ist weniger von der Wohnungsmarktsituation betroffen. Einmal eingezogen, bleiben sie auch meist über mehrere Jahrzehnte. Umzug im hohen Alter?

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die Personen treffen müssen, wenn sie älter werden, ist, ob sie in ihrem Haus oder ihrer Wohnung bleiben oder eine alternative  Wohnoption (z.B. altersgerechter Umbau oder Verkleinerung des Wohnraums, Umzug in eine betreute Wohnform) wählen. Die Gründe, die die Entscheidung im Alter umzuziehen beeinflussen, sind vielfältig. Finanzielle Erwägungen spielen eine wichtige Rolle, aber auch die Tatsache, ob die betreffenden Personen Mieter oder Eigentümer sind. Denn Mieter ziehen eher um als Eigentümer dies tun.

Insgesamt sind ein sich verschlechternder Gesundheitszustand, Änderung des Familienstandes, geringeres Einkommen oder zu viel Raum, um den man sich im Alter kümmern muss, die wichtigsten Faktoren, die zu einer wohnlichen Veränderung führen. Generell nimmt aber die Bereitschaft, den vertrauten Wohn- und Lebensraum zu verlassen, im Alter deutlich ab, kostenintensive Umzüge werden vermieden. Zur Folge hat dies, dass die Mehrheit der Personen in ihrem gewohnten Lebensraum ansässig bleibt.

Zusammenfassend kann man erkennen, dass sich Chemnitz, auch „Stadt der Moderne“ genannt, dem Bevölkerungstrend der neuen Lebensstile angepasst hat. Hier findet man ein Überangebot an sanierten 1- bis 2- Raumwohnungen vor.

Jedoch hat der Wohnungsmarkt die Geburtenstarken Jahrgänge und die steigende Zahl der Familien mit mehreren Kindern nicht kommen gesehen. Deswegen bietet der Wohnungsmarkt wenig Angebot für größere Wohnräume, die Haushalte mit mehr als 3 Kindern benötigen. So besteht aktuell die Schwierigkeit darin, eine passende Immobilie am richtigen Standort zur langfristigen Miete, die allen Ansprüchen gerecht wird, zu finden.

Altersstruktur in den Chemnitzer Stadtteilen

Altersstruktur in den Chemnitzer Stadtteilen
Quelle: FOG-Institut für Markt- und Sozialforschung